Der Amerikanische Nerz oder Mink (Neovison vison, früher Mustela vison) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae). Ursprünglich nur in Nordamerika verbreitet, ist er als Gefangenschaftsflüchtling aus Pelztierfarmen mittlerweile auch in Europa heimisch. Mit dem Europäischen Nerz ist er nicht sehr nahe verwandt, die Arten sind nicht kreuzbar.

Verbreitungsgebiet in Amerika

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Mustela
Art: Amerikanischer Nerz

Wissenschaftlicher Name

Mustela vison
(Schreber, 1777)
Der Körperbau

Amerikanische Nerze haben einen langgestreckten Körper mit relativ kurzen Gliedmaßen und Schwanz. Das Gesicht ist flach und zugespitzt, die Zehen sind als Anpassung an die semiaquatische Lebensweise zum Teil mit Schwimmhäuten verbunden. Eine Analdrüse sondert ein moschusartiges Sekret ab, dessen Geruch manchmal als penetranter als der der Skunks beschrieben wird. Das weichte, dichte Fell ist Wasser abweisend, seine Grundfärbung ist braun. Das Kinn ist weiß gefärbt, manchmal sind auch weiße Flecken an der Kehle und am Bauch sichtbar. Durch Züchtungen sind mittlerweile viele Farbvarianten vorhanden. Die Tiere erreichen eine Kopfrumpflänge von 30 bis 43 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 13 bis 23 Zentimeter und ein Gewicht von 0,7 bis 2,3 Kilogramm, wobei die Männchen deutlich schwerer werden als die Weibchen. Amerikanische Nerze können somit deutlich schwerer werden als ihre europäischen Vettern.

Das Verbreitungsgebiet und der Lebensraum

Ursprünglich war die Art auf Nordamerika beschränkt. Sie kam in Alaska, in nahezu ganz Kanada (mit Ausnahme des äußersten Nordens) sowie im Kerngebiet der USA (die 48 zusammenhängenden Staaten) außer den südwestlichen Teilen vor. Seit den 1950er Jahren haben sich aus Nerzfarmen entlaufene oder freigelassene Tiere auch in Europa ausgebreitet und den eigentlich heimischen Europäischen Nerz weithin verdrängt.
Amerikanische Nerze sind ans Wasser gebunden. Man findet sie sowohl entlang von Flüssen und Seen, als auch in Sümpfen und Marschland. Sie benötigen dabei aber dicht mit Vegetation bestandene Ufergebiete.

Die Lebensweise

Diese Tiere sind in der Regel dämmerungs- oder nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Bauen, die sie selbst gegraben oder von anderen Tieren übernommen haben, manchmal auch unter Steinen oder in Baumwurzeln. Selbst gegrabene Baue können bis zu 3 Meter lang sein und oft mehrere Eingänge haben. Minks können ausgezeichnet schwimmen und bis in Tiefen von 6 Metern tauchen. Außerhalb der Paarungszeit leben sie einzelgängerisch und reagieren auf Artgenossen äußerst aggressiv. Mit dem Sekret der Analdrüse werden die Reviergrenzen markiert, die Größe der Territorien ist variabel, die von Weibchen sind üblicherweise 8 bis 20 Hektar groß, Reviere von Männchen sind größer und können manchmal 800 Hektar umfassen.

Die Nahrung

Amerikanische Nerze sind Fleischfresser, die sich von einer Vielzahl von Beutetieren ernähren. Sie verzehren unter anderem kleine Säugetiere (wie Bisamratten, Hasen und Spitzmäuse), Krebse und Frösche. Manchmal erbeuten sie auch Wasservögel und Fische.

Die Fortpflanzung

Einmal im Jahr bringt das Weibchen nach einer rund 40- bis 80-tägigen Tragzeit zwei bis zehn (durchschnittlich fünf) Jungtiere zur Welt. Die hohe Varianz der Trächtigkeitsdauer liegt vermutlich an einer verzögerten Einnistung der befruchteten Eizelle. Die Paarungszeit fällt in die Monate Februar bis Anfang April, die Geburt auf Ende April oder Mai. Zur Geburt kleidet das Weibchen ein Nest mit Fell, Federn und trockenen Pflanzen aus, dort verbringen die Neugeborenen ihre ersten Lebenswochen. Nach fünf bis sechs Wochen werden sie entwöhnt, im Herbst verlassen sie ihre Mutter endgültig. Weibchen werden mit rund einem Jahr und Männchen mit 18 Monaten geschlechtsreif. Die Lebenserwartung wird auf maximal 10 Jahre geschätzt.

Der Mink und der Mensch

Schon früh wurden Amerikanische Nerze ihres Felles wegen gejagt, das als besonders wertvoll gilt. Erste erfolgreiche Zuchtversuche in Pelztierfarmen wurden um 1900 in den USA begonnen. Eine Zucht des Europäischen Nerzes war hingegen nie möglich. Daher wurden amerikanische Zuchtnerze auch in Europa eingeführt. Durch menschlichen Einfluss entstanden Farbmutationen, zum Beispiel rein weiße, schwarze oder silberblaue, auch Saphir-Nerze genannte, Exemplare.
Tiere, die in Europa aus Farmen geflüchtet sind oder freigelassen wurden, haben sich großflächig ausgebreitet. Da Amerikanische Nerze anpassungsfähiger und robuster als ihre europäischen Verwandten sind, haben sie diese vielerorts verdrängt, wodurch der Europäische Nerz an den Rand der Ausrottung getrieben wurde. So gibt es heute wild lebende Populationen unter anderem in Island, Skandinavien, den Britischen Inseln, Frankreich, Spanien, Deutschland, Polen und in großen Teilen Russlands.
Da der Pelz der Tiere nicht beschädigt werden darf, erfolgt die Tötung in den Pelztierfarmen mit Cyanwasserstoffgas. Oft jedoch werden die Tiere lediglich betäubt und dann lebendig gehäutet. Nerzfarmen stehen besonders in der Kritik von Tierschützern, da auch die Haltungsbedingungen in diesen Farmen der artgerechten Haltung Hohn sprechen. Befreiungsaktionen haben zwar dazu beigetragen, die Öffentlichkeit auf die mit der Nerzzucht verbundenen Probleme aufmerksam zu machen, gefährden aber im Gegenzug den Europäischen Nerz. Wenn man davon absieht, dass die Kritiker in der Regel jegliche Zucht für Pelzzwecke ablehnen, konzentriert sich die Kritik beim Nerz vor allem auf die Gehege- oder Käfiggröße, das Halten in Käfigen an sich, die Einzelhaltung und das Fehlen von Schwimmwasser. Die Züchter führen dagegen an, dass eine Bodenhaltung die Übertragung von Krankheiten fördert und der Nerz durch die lange Domestikationsfolge kein Schwimmwasser für sein Wohlbefinden benötigt. Die Tötung in den Pelztierfarmen erfolgt in der Regel mit Kohlenmonoxid-Gas.
Die meisten Pelztierfelle stammen aus Zuchtfarmen. Die meisten Nerze werden in Europa nach wie vor in Dänemark, Italien und den Niederlanden gezüchtet. Eine wesentliche Grundlage für die Pelztierzucht ist insbesondere in Skandinavien und Holland die Weiterverarbeitung von Fleisch- und Fischabfällen als Pelztierfutter. In Österreich, Großbritannien und der Schweiz wurde die Pelztierzucht eingeschränkt, während China in etwa einem Jahrzehnt zu einem der wichtigsten Zuchtländer auch für Nerze herangewachsen ist. In Deutschland finden sich noch wenige Dutzend Nerzfarmen mit Schwerpunkten in NRW, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Die Haltung von Nerzen zur Pelztierzucht ist aus Gründen des Tierschutzes in den Niederlanden und Großbritannien bereits verboten.

Systematik

Traditionell wurde der Amerikanische Nerz zusammen mit dem Europäischen Nerz und einigen Wieseln in die Gattung Mustela eingeordnet. Jüngeren Untersuchungen zufolge ist er jedoch nur entfernt mit diesen verwandt und wird darum zusammen mit dem ausgestorbenen Seenerz in einer eigenen Gattung, Neovison, klassifiziert.

Bilder vom Mink

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Literaturhinweis

-Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN: 0801857899

-D. E. Wilson, D. M. Reeder: Mammal Species of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005. ISBN 0801882214

Weblinks

Mustela vison in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2007. Eingestellt von: Mustelid Specialist Group, 1996. Version vom 12. Mai 2006

 

 

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